Radfahrer des Monats: Oktober

Da das Spendenradeln nun gut angelaufen ist, haben wir uns überlegt jeden Monat einen Radfahrer des Monats zu küren. Es werden Hochschulmitarbeitende und Studierende interviewt, warum sie gerne Radfahren und was sie schon lustiges oder spannendes auf dem Rad erlebt haben.


Ich habe kein E-Bike, sondern nur “ehrliche Bikes”

Prof. Helmut Nebeling


Prof. Helmut Nebeling

Fakultät Technik

Heute hatte ich das Vergnügen, mit Herrn Prof. Nebeling über seine Leidenschaft, das Radfahren zu sprechen. Hier eine Zusammenfassung unseres Gesprächs. 

Herr Prof. Nebeling fährt seit 50 Jahren gern Fahrrad, nachdem er das Radfahren im Alter von vier Jahren gelernt hat. Als Jugendlicher hat er noch andere Ausdauersportarten wie Laufen und Rudern betrieben, aber schon im ersten Studienjahr kam er auf 14.000 Radel-Kilometer im Jahr. Um sein Rad auch im Zug mitnehmen zu können, hat er sich für sein Rennrad eine maßgeschneiderte Tasche aus Zeltstoff anfertigen lassen. Solches Zubehör gab es damals noch nicht. 

Auch auf Dienstreisen begleitet ihn sein Fahrrad: Gerade die letzten Kilometer sind beim Bahnfahren die mühsamsten, das Fahrrad weitet die Flexibilität deutlich aus. So sind auch abseits gelegene Ziele gut zu erreichen. Die Anreise zu einer Firma in Ostfriesland sah beispielsweise so aus: In Aachen in den Zug steigen, mit der Bahn bis Oldenburg fahren und dann die letzten 30 km mit dem Rad zurücklegen. Leider waren solche Kombinationen bei der Reisekostenabrechnung der Uni damals noch nicht vorgesehen gewesen, so dass das Radfahren reiner Sport war. Heute ist die Vergütung der Fahrradnutzung mit 0,02 Euro unattraktiv und nicht im Sinne nachhaltiger Mobilität. 

Eine Dienstreise führte Herrn Prof. Nebeling nach Hohenlohe, wo er einen Studenten zu einer Besprechung aufsuchte. Ein Blick auf die Karte machte schnell klar: Der Standort liegt in landschaftlich reizvoller Umgebung des Kocher- und Jagst-Tales, die aber rein mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht erschlossen ist. Daher diente das Fahrrad als „Anschluss“. 

Herr Prof. Nebeling sieht im Reisen mit Zug und Fahrrad die ideale Kombination auch auf weiteren Strecken: Im Zug kann er arbeiten, auf dem Rad ist er sportlich aktiv, er lernt immer wieder andere Gegenden kennen, er tut etwas für den Klimaschutz und die Gesundheit. Dabei hat er das Gefühl, die Reisezeit deutlich intensiver genutzt zu haben. 

Mittlerweile besitzt Herr Prof. Nebeling drei Fahrräder: Ein Klapprad für die Mitnahme im Fernverkehr, ein Trekkingrad fürs tägliche Pendeln zur Hochschule und ein Rennrad für sportliche Aktivitäten. Er hat kein E-Bike, sondern „nur ehrliche Bikes“, denn „E-Bike-Fahren verbraucht auch Energie, die eventuell anderweitig mehr Wirkung erzielen kann“! 

In seiner Freizeit ist Herr Prof. Nebeling „jemand, der die Höhenmeter sucht“. Ohne Zeitdruck, ohne Tacho fährt er gern Alpenpässe hoch. Viele Alpenpässe hat er schon beradelt. In Abstimmung mit seiner Frau und Kindern ist der Treffpunkt dann bei gemeinsamen Unternehmungen oben auf der Passhöhe.  

Im Alltag pendelt Herr Prof. Nebeling von Tübingen zur Hochschule, dabei ist er gut 30 Minuten unterwegs. Seine Frau, die auch einen Lehrauftrag an der Hochschule hat, ist teilweise mit dem Auto genauso lang unterwegs. Im Herbst und Winter kombiniert er die Anfahrt gern mit der Bahn und nutzt dabei die kostenlose Fahrradmitnahme vor 6 Uhr aus. Nachmittags geht es dann je nach Wetterlage mit dem Rad zurück.

Was empfiehlt Herr Prof. Nebeling umsteigewilligen Autofahrern? „Einfach mal machen.“ Wenn man Rad fährt, kann man sich abends den Gang ins Fitnessstudio sparen. Das relativiert den angeblichen Zeitvorteil des Autos erheblich. Im Übrigen ist die reale Auto-Fahrzeit oft deutlich länger, als Routenplaner unter Idealbedingungen es einem weismachen wollen. Mit dem Fahrrad kann man dagegen teilweise an den Autokolonnen vor der Ampel vorbeifahren oder andere attraktive Routen nutzen. Sicherlich sind teilweise Radrouten für zügige Alltagsradler (noch) nicht gut geeignet. 

Herr Prof. Nebeling hat auch schon ein weit verbreitetes Haustier als eigentlich Verantwortlichen für so viele Autofahrer identifiziert, das seinen Besitzer sehnsüchtig im Auto und abends auf der Couch erwartet: den inneren Schweinehund! 

Ich danke Herrn Prof. Nebeling für das Gespräch und wünsche weiterhin gute Fahrt. 

Sabine Merkens