Radfahrerin des Monats: November

Auch nach dem reichlichen “Erradeln” von Kilometern für die überdachten Fahrradständer geht die Kür des Radfahrer bzw. der Radfahrerin des Monats weiter. Es werden Hochschulmitarbeitende und Studierende interviewt, warum sie gerne Radfahren und was sie schon lustiges oder spannendes auf dem Rad erlebt haben.


Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung!

Dipl.-Min. Mirjana Apostolov


Dipl.-Min. Mirjana Apostolov

Forschungsreferentin im Reutlingen Research Institute (RRI)

Bei einer Tasse Tee erzählte mir Frau Apostolov ihre bemerkenswerte Geschichte rund um das Radfahren. Hier eine Zusammenfassung unseres Gesprächs. 

Frau Apostolov besitzt kein eigenes Auto. Seit November 2014 nutzt sie ihr Pedelec als Hauptverkehrsmittel – d.h. bei Wind und Wetter, nicht nur für den Weg zur Arbeit, sondern bei jeglicher Bewegung innerhalb Reutlingens und in die Umgebung. 

Wie kam es dazu? Seinerzeit pendelte Frau Apostolov täglich mit dem Auto von Bad Urach zur Hochschule. Viel zu viel Verkehr, Staus, aggressive Autofahrer, dazu hohe Ausgaben für Sprit und Verschleißteile – dies alles führte zu dem dringenden Wunsch, vom Auto unabhängig zu werden. „Ich hatte das Gefühl, nur noch für das Auto zu arbeiten. Das Auto hat mich täglich zwischen 15 und 50 Euro gekostet. Dazu noch die vielen Stunden meiner Lebenszeit, die ich hinter dem Steuer nur im Sitzen verbracht habe… Freitags ist in Metzingen die Hölle los. Da brauchte ich manchmal bis zu 1,5 Stunden für den Heimweg. Mit dem Pedelec fuhr ich 55 Minuten, hatte meine Bewegung und war sogar schneller als mit Bus und Bahn.“ Innerhalb von 1,5 Jahren hatte Frau Apostolov 10.000 km auf dem Tacho. 

Inzwischen wohnt Frau Apostolov in Gönningen. Auch von dort pendelt sie gern mit ihrem Pedelec zur Hochschule. Bei schlechtem Wetter erscheinen der heimische Kamin und die warme Badewanne vor ihrem inneren Auge. Außerdem ist sie bestens ausgerüstet: Wenn es sein muss, kommen Skibrille, Maske, Helmmütze, ein Helm mit Reflektoren, Blinki und Stirnlampe sowie wind- und wasserdichte Jacke, Überhose und Gamaschen zum Einsatz. Das Gepäck ist in wasserdichten Ortlieb-Packtaschen gut geschützt. Ihr Motto: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung!“ 

Beim Kauf des Pedelecs hat Frau Apostolov sehr auf die regionale Produktion und kurze Wege geachtet. Sie fährt ein Centurion-Pedelec, gebaut auf der Schwäbischen Alb, mit Bosch-Motor aus Reutlingen. Der Motor hat nun nach sieben Jahren und 22.222 km seinen Geist aufgegeben und musste ausgetauscht werden. „Das finde ich bemerkenswert und ein Wunder der Technik, insbesondere wenn man bedenkt, dass ich sowohl Antrieb als auch Batterie bis zur Materialgrenze und bei jedem Wetter exploitiert habe.“ Den alten Motor stellt Frau Apostolov einem Forschungsprojekt unserer Hochschule für Tests zur Verfügung. 

Und wie fühlt sich das Radfahren auf Reutlingens Straßen an? Oft genug kann man sich ärgern über ignorante Autofahrer. Sie schneiden einen beim Rechtsabbiegen, auch über rote Schutzstreifen hinweg, oder überholen sehr knapp. Von der Stadt wünscht sich Frau Apostolov ein engeres Netz von Fahrradstraßen, außerdem sollten die Autofahrer mit gezielten Aktionen mehr sensibilisiert werden für die Belange anderer Verkehrsteilnehmer. Ein tolles Gefühl ist es aber, an den langen Staus vor Ampelkreuzungen einfach vorbei zu fahren. Im Stadtverkehr ist man da oft viel schneller unterwegs als die Autos. Außerdem ist das Parken kostenfrei und absolut kein Problem. Man spart so viel Zeit und Geld! 

Ich danke Frau Apostolov für das Gespräch. 

Sabine Merkens