Radfahrer des Monats: Januar

Auch das neue Jahr startet wieder mit unserer Reihe “Radfahrende/r des Monats”. Den Start macht Hr. Brandstetter. Bleiben Sie gespannt, jeden Monat suchen wir Hochschulangehörige, die sich bereit erklären etwas über sich und des Radfahrens zu erzählen.


“Eigentlich ist Radfahren gar nicht so mein Ding.”

Reiner Brandstetter    (Teilnehmer des Spendenradelns mit den meisten Kilometern)


Reiner Brandstetter

Mitarbeiter in der Fakultät Technik

Herr Brandstetter ist bei unserem Spendenradeln die meisten Kilometer geradelt, 1.164 km in drei Wochen. Ich war sehr gespannt auf seine persönliche Geschichte. Hier eine Zusammenfassung unseres Gesprächs. 

„Eigentlich ist Radfahren gar nicht so mein Ding.“ Mit dieser Aussage verblüfft mich Herr Brandstetter im Laufe des Gesprächs. „Eigentlich bin ich Läufer“, ergänzt er und berichtet von seinen sportlichen Erfolgen auf Wettkämpfen. Er läuft zwischen 3.000 Metern und Halbmarathon alle Disziplinen mit. Den Trainingseffekt, den ihm das tägliche Radeln zur Arbeit beschert, möchte er aber nicht missen. In der Woche fährt er bis zu 15 Stunden Fahrrad, denn aus dem Landkreis Esslingen hat er einen Arbeitsweg von 32 Kilometern zur Hochschule, verbunden mit 150 Höhenmetern. 80% seiner Rad-Kilometer legt er auf dem Arbeitsweg zurück. 

Herr Brandstetter führt seit 24 Jahren Buch über seine Rad-Kilometer und zeigt mir dazu auch eine Grafik. 2021 war ein besonders starkes Jahr: Corona-bedingt ist Herr Brandstetter gar nicht mehr in den Zug gestiegen, der in besonders winterlichen Phasen sonst eine Alternative war. Stattdessen ist er (bis Anfang Dezember) insgesamt 14.000 km geradelt. In seiner Lebenszeit kommt Herr Brandstetter auf eine Kilometer-Fahrleistung von ca. 300.000 km. Mit seinem derzeitigen Fitnessbike ist er schon 65.000 km unterwegs. Das Rad ist ein guter Kompromiss für seine Zwecke: nicht gefedert, kein Gepäckträger, Schutzblech und Beleuchtung zum Abnehmen, so ist das Fahrrad halbwegs leicht, aber trotzdem alltagstauglich, robust und auch auf Schotterwegen problemlos zu fahren. Es handelt sich um sein sechstes Fahrrad. 

Wie kam Herr Brandstetter zum Radfahren? Bevor er vor 20 Jahren an die Hochschule kam, war er bei einer Firma beschäftigt, die irgendwann ihren Firmensitz nach Italien verlegt hat. Von dem Unternehmen erhielt Herr Brandstetter einen Firmenwagen, mit dem er ein halbes Jahr lang nach Italien gependelt ist. In dieser Zeit hat er sein eigenes Auto abgemeldet und gemerkt, dass es auch gut ohne geht. Die nächste Arbeitsstelle erreichte er bequem mit dem Fahrrad, radelte hin und zurück pro Tag 25 km. Mit dem Stellenwechsel an die Hochschule Reutlingen ist er dabei geblieben, viele Wege mit dem Fahrrad oder alternativ mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückzulegen. 

Manchmal ist das Fahrrad auch im Urlaub dabei. In den Alpen war Herr Brandstetter bereits auf über 2.600 Metern ü. NN, kennt hier jedoch nur Nettoanstiege mit ca. 1.800 Höhenmetern. Auf La Palma betrug der geradelte Höhenunterschied 2.400 Meter. Mittlerweile hat er sich das Fliegen abgewöhnt. 

Auf seine Erlebnisse im Alltag angesprochen, berichtet Herr Brandstetter von seinen Erfahrungen. In Ortschaften gibt es oft ehemalige reine Gehwege, die zu Rad-Gehwegen umdeklariert wurden. Diese Wege sind in der Regel nicht nur ein Ärgernis für Radfahrer, die zügig unterwegs sind, sondern bei gemeinsamer Benutzung eine Gefahr für alle Benutzer. Außerdem sind Querstraßen mit nicht richtig abgesenkten Bordsteinkanten (zumindest für ungefederte Räder) eine Tortur und es besteht erhöhte Gefahr, durch Autos „abgeschossen“ zu werden. 

Viele solcher Wege sind inzwischen durch das Schild „Radfahrer frei“ von der Nutzungspflicht ausgenommen, dann fährt Herr Brandstetter lieber auf der Straße. Hier jedoch wollen einem viele Autofahrer erklären, dass man auf dem Multifunktionsweg zu fahren habe. Manche Autos fahren extrem knapp vorbei. Gedankenlosigkeit, Ignoranz, Nötigung oder einfach nur fehlendes räumliches Vorstellungsvermögen? Da gab es schon manch unangenehme Begegnung. Einen LKW-Fahrer, der ohne Unterfahrschutz gefährlich eng überholt hat und sich im anschließenden Gespräch nicht einsichtig zeigte, hat Herr Brandstetter bereits bei der Polizei angezeigt. Seitdem fährt der LKW immer einen großen Bogen.  

Trotz allem sieht Herr Brandstetter keine Alternative zum Radfahren. Ich danke ihm für das Gespräch. 

Sabine Merkens