Radfahrer des Monats: Dezember

Für den letzten Monat dieses Jahres haben wir nach Radfahrer bzw. Radfahrerin des Monats Ausschau gehalten. Interviewt werden Hochschulmitarbeitende und Studierende, warum sie gerne Radfahren und was sie schon lustiges oder spannendes auf dem Rad erlebt haben.


Ein E-Bike ist nicht das Richtige für mich: Auf der Ebene zu langsam, im Wald zu laut, beim Tragen zu schwer“.

Frederik Diers


Frederik Diers

Student im Studiengang Maschinenbau

Mitte November flattert eine E-Mail in mein Postfach. Herr Diers schreibt mir: „Ich wollte mich für den Radfahrer des Monats vorschlagen:)“. Gerne! Hier eine Zusammenfassung unseres Gesprächs.

Herr Diers studiert an der Hochschule Reutlingen Maschinenbau. Zuvor hatte er eine Ausbildung als Zweiradmechatroniker Fahrradtechnik absolviert. Aktuell schreibt er seine Bachelorarbeit in der Wilfried Schmidt Maschinenbau GmbH in Tübingen. Das Unternehmen ist bekannt für seine Produkte, die SON Nabendynamos, Scheinwerfer und Rücklichter. Auch nach Abschluss des Studiums bleibt Herr Diers in der Fahrradindustrie tätig und der Firma treu.

Herr Diers bezeichnet sich als „eisenharten Bio-Radler“. Seine Motivation: „Frische Luft tanken, den Kopf frei kriegen, wenn der Arbeitstag stressig war, mich auspowern. Es tut mir gut, mal den Berg hochzufahren.“ Ein E-Bike wäre nicht das Richtige für ihn, da hat er eine klare Meinung: „auf der Ebene zu langsam, im Wald zu laut, beim Tragen zu schwer“.

Wobei er durchaus das technische Knowhow, das durch E-Bike-Produzenten in die Fahrradbranche getragen wird, zu schätzen weiß. Und auch sieht, dass Pedelecs ihren Beitrag dazu leisten, die Platzprobleme auf der Straße zu lösen. Nicht jeder steigt gleich auf ein Fahrrad um, sondern eher auf die motorisierte Alternative. Lastenfahrräder und E-Bikes tragen ihren Teil dazu bei. „Ich möchte nicht auf Autofahrer wettern“, gibt sich Herr Diers versöhnlich, „aber es ist gut ein alternatives Angebot zu schaffen.“

Herr Diers ist Mitglied im Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) und kann sich gut vorstellen, dort in Zukunft auch aktiv zu werden. Der ADFC verfolgt seiner Meinung nach gute verkehrspolitische Ansätze – den Platz auf den Straßen gerechter aufzuteilen zwischen PKWs, Radfahrern, Fußgängern und ÖPNV. Wenn es gute Alternativen zum Auto gibt, sind die Straßen auch leerer für diejenigen, die auf das Auto angewiesen sind.

Herr Diers Auch nach der Familiengründung (er hat zwei Kinder im Alter von 4 und 1 Jahren) gab es keinen Grund, ein Auto zu kaufen. Im Gegenteil: Seine Kinder sollen von Anfang an ein Leben ohne Auto kennenlernen. Mit der vierjährigen Tochter fährt er zusammen auf einem Pino-Liegerad-Tandem. Das Kind hat vorn auf dem Liegeradsitz einen tollen Überblick und man kann sich während der Fahrt bestens unterhalten. Außerdem „tritt sie gut rein, die Unterstützung merkt man.“ Der kleine Bruder sitzt gern im Kinderanhänger, den je nach Bedarf auch seine Mutter zieht. So hat die Familie einen Fahrradurlaub gemacht. Im Sommer sind sie 600 km geradelt, 30-50 km pro Tag: Den Neckartal-Radweg bis Villingen-Schwenningen, dann durch den Schwarzwald zum Rhein, anschließend auf dem Bodensee-Königs-Radweg bis Oberstdorf. Mit dem Zug ging es dann zurück nach Tübingen.

Auch größere Transporte sind für Herrn Diers mit dem Fahrrad kein Problem, weil er sich bei seinem Arbeitgeber einen Carla Cargo-Schwerlastanhänger ausleihen kann. Damit hat er erst kürzlich zwei Schränke transportiert.

Und wenn es doch mal ein Auto sein muss? Herr Diers nutzt das Carsharing-Angebot der teilAuto Neckar-Alb eG. Im Umkreis von 500 m seines Arbeitgebers stehen allein vier Fahrzeuge zur Verfügung. Der gefahrene Kilometer kostet je nach Fahrzeug zwischen 27 und 45 Cent, für Studierende gibt es eine Ermäßigung. „Das funktioniert reibungslos.“ Herr Diers ist dieses Jahr genau dreimal Auto gefahren.

Ich danke Herrn Diers für das Gespräch.

Sabine Merkens